Fledermausmonitoring im Wildnisgebiet

Neunzehn Quartiere werden von den Ranger*innen in Jüterbog regelmäßig auf ihren aktuellen Fledermausbestand kontrolliert.

Ranger schreibt Anzahl der Fledermausindividuen in sein Heft

Klein, wendig und scheinbar lautlos schwirrt sie durch die Nacht: die Fledermaus. Sie gehört zur einzigen Säugetierordnung, die die Fähigkeit zum Flug entwickelt hat. Um sich auch im Dunkeln orientieren zu können, hat sie ein Echoortungssystem entwickelt: Mithilfe ihrer Schreie, die für uns Menschen nicht hörbar sind, macht sie sich ein aktuelles dreidimensionales Bild ihrer Umwelt. So ist sie in der Lage, ihre Beute – vor allem Nachtfalter, Käfer und Mücken – zu entdecken.

Doch wo versteckt sich der fliegende Säuger tagsüber?

Lose Baumrinden, Felsspalten und Höhlen dienen der Fledermaus als Rückzugsmöglichkeit. Hier kann sie kopfüber buchstäblich „abhängen“. Besonders für ihren Winterschlaf von November bis März sind sichere Rückzugsorte für die Fledermaus unerlässlich, um vor Fressfeinden sicher zu sein. Durch den Menschen wird sie allerdings immer mehr ihrer natürlichen Refugien beraubt, so dass sie heute auch Tunnel, Keller und Bunkeranlagen als Unterschlupf nutzt.

Auf den Stiftungsflächen bei Jüterbog wurde eine außergewöhnlich hohe Artenvielfalt festgestellt– ein Hinweis darauf, wie wertvoll und intakt diese Lebensräume sind.

Neun verschiedene Fledermausarten fühlen sich in den regelmäßig kontrollierten Winterquartieren – den alten Bunkeranlagen auf den Flächen der Wildnisstiftung – wohl, darunter die Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), das Große Mausohr (Myotis myotis), die Fransenfledermaus (Myotis nattereri) sowie die Zwergfledermaus (Myotis pipistrellus). Auch gefährdete Arten wie die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), die Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus), die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) und das Braune Langohr (Plecotus auritus) sowie das vom Aussterben bedrohte Graue Langohr (Plecotus austriacus) konnten in Jüterbog nachgewiesen werden.

Das Fledermausmonitoring liefert also eine wertvolle Grundlage für gezielte Schutzmaßnahmen und den langfristigen Erhalt dieser faszinierenden Säugetiergruppe.

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Rangerin bringt Fledermausstein im Bunker an

Schutz und Erhalt der Fledermauslebensräume

Die alten Bunker im Wildnisgebiet Jüterbog werden von Fledermäusen gerne als Unterschlupf genutzt - im Rahmen eines Projekts wurden hier neue Fledermaussteine angebracht.

Fledermaus hängt an der Decke des Bunnkers

Fledermausmonitoring

Die alten Bunker im Wildnisgebiet Jüterbog werden von Fledermäusen gerne als Unterschlupf genutzt - hier können die Populationen erfasst werden.

Ein Moorfrosch schaut aus dem Wasser ©Dr. Tilo Geisel

Moor

Als Extremstandorte beherbergen Moore nicht nur viele spezialisierte Arten, sondern leisten durch ihre Wasser- und Kohlenstoffspeicherkapazität einen unverzichtbaren Beitrag für den Menschen.

Sonnentau Nahaufnahme ©Dr. Tilo Geisel

Sonnentau

Um den Nährstoffmangel in seinen Lebensräumen zu kompensieren, hat der rundblättrige Sonnentau eine ganz besondere Methode entwickelt, in der Moorlandschaft zu überleben.

Wildkatze blickt in die Ferne©Dr. Tilo Geisel

Wildkatze

Die nachtaktive europäische Wildkatze findet in der unzerschnittenen Landschaft ungestörte Rückzugsmöglichkeiten und durch den Artenreichtum genügend Nahrung auf ihren Streifzügen.

Gehölze mit herbstlicher Färbung besiedeln den Sandtrockenrasen

Sukzession

Auf den Sandflächen der ehemaligen Truppenübungsplätze kann sich die Natur seit mehr als 30 Jahren ungestört entwickeln. Pionierpflanzen ebnen den Weg für ganze Ökosysteme und verdrängte Tierarten kehren zurück.

Waldentwicklung. Foto: Dr. Tilo Geisel

Wildtiermanagement und Jagd

Das Wildtiermanagement in den Randbereichen der Wildnisgebiete ist darauf ausgerichtet, möglichst störungsarm zu sein. Im Vergleich zur Jagd auf anderen Flächen gibt es in unseren Wildnisgebieten örtlich angepasste Jagdzeiten und eine reduzierte Intensität.

Vierpunkt-Flechtenbärchen (Lithosia quadra), Foto: Hamon jp, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Vierpunkt-Flechtenbärchen

Die Raupen des in vielen Gebieten bereits seltenen Vierpunkt-Flechtenbärchens (Lithosia quadra) entwickeln sich zu ganz besonderen Nachtfaltern aus der Familie der Bärenspinner (Arctiinae).

Eurasischer Wolf steht mit den Vorderbeinen auf umgestürztem Baum

Wolf

Sichere Rückzugsräume sind für die nach deutschem und europäischem Recht streng geschützten Tiere sehr wertvoll und helfen Konflikte zu reduzieren. Wildnisgebiete sind durch ihre Größe und Unzerschnittenheit sowie das gute Nahrungsangebot als Lebensraum für Wölfe bestens geeignet.

Männlicher Rothirsch mit großem Geweih

Rothirsch

Der Rothirsch beeindruckt mit seinem imposanten Geweih und seinem ausgeprägten Sozialverhalten, jedoch steht er vor wachsenden Herausforderungen aufgrund von Lebensraumverlust.

Raufußkauz auf einem Ast sitzend

Raufußkauz

Der Raufußkauz, ein nächtlicher Jäger, bedroht durch den Verlust geeigneter Lebensräume und die zunehmende Fragmentierung von Waldgebieten.

Mopsfledermaus liegt auf einem Stein

Mopsfledermaus

Die Mopsfledermaus zeichnet sich durch ihre abgeflachte Nase und breiten, zusammengewachsenen Ohren aus und ist nachtaktiv.

Hirschkäfer. Foto: Sebastian Hennigs

Hirschkäfer

In den Wäldern Europas verbirgt sich ein faszinierendes Lebewesen von beachtlicher Größe und ökologischer Bedeutung: der Hirschkäfer.

Käfer an Totholz

Wildnis in Deutschland

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Totholz in einem nachwachsenden Wald

Totholz

Zu einem gesunden Wald gehören alte und abgestorbene Bäume. Totholz umfasst stehende oder umgefallene Stämme, einzelne tote Äste an einem alten Baum, Asthaufen oder Strünke.

Vogel Ziegenmelker sitzt auf Ast

Ziegenmelker

Zahlreiche Mythen und Legenden ranken sich um Caprimulgus europaeus, die Nachtschwalbe. Gemäß Übersetzung ihres lateinischen Namens wird sie auch Europäischer Ziegenmelker genannt.