Erstmals Nachwuchs der wilden Samtpfoten im Wildnisgebiet Jüterbog bestätigt

Endlich ist es soweit: Die Wildkatze, einst in Brandenburg ausgestorben, hat zurückgefunden und erstmals wurde Wildkatzennachwuchs für das Wildnisgebiet Jüterbog genetisch bestätigt. Anfang Januar 2017 wurde mit dem Wildkatzenmonitoring begonnen und Ende 2023 berichtete die Wildnisstiftung über erste Nachweise erwachsener Wildkatzen auf der Stiftungsfläche Jüterbog. Jetzt liegen die Ergebnisse einer genetischen Untersuchung vor, die belegt, dass es 2025 echten Wildkatzen-Nachwuchs gab.

Monitoring und die Auswertung von genetischen Spuren erlauben Hinweise auf die Entwicklung der Europäischen Wildkatze (felis silvestris): Mit Hilfe des Lockstoffs “Baldrian” werden Wildkatzen beider Geschlechter angelockt. Besonders gut funktioniert dies während der Paarungszeit von Januar bis März. An den angerauten und mit Baldrian besprühten Lockstöcken reiben sich die Katzen und hinterlassen Fell.  Diese Proben werden anschließend im Senckenberg Forschungsinstitut, Fachgebiet Naturschutzgenetik in Gelnhausen genetisch untersucht. Sie liefern wertvolle Erkenntnisse über die Population. Da sich auch andere Wildtiere an den Lockstöcken zeigen und teilweise daran reiben, befinden sich in wenigen Metern Entfernung an jedem Stock Wildtierkameras. Der Abgleich mit den Kameras sorgt dafür, dass keine Proben anderer Tierarten eingereicht werden.

Die junge Wildkatze im August 2025 auf einer Wildkamera der Wildnisstiftung

Die junge Wildkatze im August 2025 auf einer Wildkamera der Wildnisstiftung

Bereits bei den ersten Nachweisen 2023 konnten drei verschiedene weibliche Wildkatzen identifiziert werden, Videoaufnahmen deuteten zusätzlich auf einen Kater hin. Andreas Hauffe, Liegenschaftsbeauftragter der Wildnisstiftung im Wildnisgebiet Jüterbog berichtet: „Als dann die erste kleine Wildkatze zusammen mit der Mutter Anfang August 2025 am Lockstock auftauchte, war ich einfach begeistert und habe sofort die Proben eingesendet.“ Die nun bestätigten genetischen Ergebnisse zeigen: Der erste Nachwuchs ist da!


Gerade in den ersten Monaten ist die Sterblichkeitsrate junger Wildkatzen mit über 70% sehr hoch. Das Wildnisgebiet Jüterbog bietet jedoch mit seinen naturnahen Wäldern, Lichtungen, Totholz und Baumhöhlen ideale Bedingungen für die Aufzucht von Katzenjungen. Die Streifgebiete weiblicher Katzen umfassen 300–800 Hektar, männliche Wildkatzen bewegen sich über das Dreifache dieser Fläche. Ein Kater kann somit mehrere Weibchen besuchen. Die Wildkatze gilt als Sympathieträgerin und Botschafterin für die Wildnis: Ihr Vorkommen macht die Bedeutung naturnaher Wälder sichtbar und zeigt, wie wertvoll ungestörte Wildnisgebiete sind. „Wir hoffen, dass sich die Jungen weiterhin in unseren naturnahen Wäldern wohlfühlen und die Population im Fläming stabil weiterwächst.“, so Hauffe. Die Wildnisstiftung wird die Entwicklung der Wildkatzen weiter beobachten und unterstützt mit ihren geschützten Wildnisgebieten den Fortbestand dieser einzigartigen Tiere.

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Hintergrund

Wildkatzenkinderstube: So wachsen die Jungen auf
Wildkatzenjunge sind in den ersten Tagen nach der Geburt besonders schutzbedürftig. Als echte Nesthocker kommen sie nackt, blind und taub zur Welt. Erst nach rund zehn Tagen öffnen sie die Augen und beginnen, ihre Umgebung vorsichtig zu erkunden. Ein Wurf umfasst in der Regel zwei bis vier Junge, die Mutter bringt meist einmal im Jahr Nachwuchs zur Welt. Da die Sterblichkeit hoch ist – weniger als die Hälfte der Jungtiere überlebt die ersten Lebensmonate – sind ungestörte Rückzugsorte für die Art überlebenswichtig. Um die Jungen zu schützen, legt die Mutter in ihrem Streifgebiet mehrere Verstecke an. Die männlichen Wildkatzen beteiligen sich nicht an der Aufzucht, sie leben einzelgängerisch und halten Abstand.

Stiftung Naturlandschaften Brandenburg – Die Wildnisstiftung
Die Wildnisstiftung engagiert sich seit ihrer Gründung im Jahr 2000 mit eigenen Flächen und Expertise für Wildnisgebiete und deren Vernetzung. Sie ist eine der größten privaten Eigentümerinnen von Wildnisgebieten in Deutschland.

Stifter sind das Land Brandenburg, die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, der Naturschutzbund Deutschland (NABU), die Umweltstiftung WWF Deutschland, der Landschafts-Förderverein Nuthe-Nieplitz-Niederung, die Gregor Louisoder Umweltstiftung und eine Privatperson.

Über unsere Flächen in Brandenburg hinaus engagieren und vernetzen wir uns für mehr Wildnis in Deutschland. Weitere Informationen zu Wildnis in Deutschland unter www.wildnisindeutschland.de

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