Vom Aussterben bedrohte Düsterkäferart nachgewiesen
Manchmal sind es die kleinen, unscheinbaren Entdeckungen, die Großes erzählen – wie dieser Käferfund im Wildnisgebiet Jüterbog.
Im Rahmen des PYROPHOB-Projekts wurde von April bis August 2024 das Holzkäfervorkommen in Brandflächen am Rand des Wildnisgebiets Jüterbog untersucht. An zwei Standorten wurden zwei Arten von Flugfallen aufgehängt, um fliegende Käfer zu fangen. Alle drei Wochen wurden die Fallen geleert und die Tiere bis zur Art bestimmt.
Das spektakulärste Ergebnis lieferte der Fund des vom Aussterben bedrohten Düsterkäfers Dircaea australis: Diese extrem anspruchsvolle „Urwaldreliktart“ wurde im Wildnisgebiet Jüterbog zum ersten Mal in Ostdeutschland nachgewiesen.
Urwaldreliktarten sind auf Waldstrukturen angewiesen, in welchen Alterungs- und Zerfallsprozesse ungestört ablaufen können. Sie benötigen eine hohe Menge an hochwertigem Totholz: vielfältige Strukturen wie dicke Stämme, Baumhöhlen, Äste mit Rindentaschen sowie unterschiedliche Zersetzungsstadien. Solche Habitate in Deutschland sind oft Altbaumbestände, die auch im Mittelalter nie gerodet wurden.
Der Fund des Düsterkäfers ist demnach Indikator für die ausgeprägte Biodiversität im Wildnisgebiet Jüterbog. Als Ökosystem-Dienstleister trägt er gemeinsam mit anderen Holzkäferarten zur Zersetzung von Holz bei und fördert den Nährstoffhaushalt im Wald. Naturnahe Wälder sind nach Forschungsergebnissen des PYROPHOB-Projekts besonders widerständig gegen Klimastress wie Trockenheit und Waldbrände. Wildnisschutz erzielt also mehrfachen Nutzen: Er sichert nicht nur seltene Arten wie den Düsterkäfer, sondern schützt auch das Klima und somit uns Menschen.
Der Fund ist damit mehr als ein Einzelnachweis. Er zeigt, was möglich wird, wenn Natur sich wieder entfalten kann – und warum es sich lohnt, Wildnis zuzulassen.

