Wo Wildnis wächst, wirkt Klimaschutz - im Gespräch mit Dr. Antje Bischoff

Wildnis ist eine Schatzkammer voller Leben – und zugleich ein wichtiger Verbündeter im Klimaschutz. Damit in Brandenburg noch mehr Wildnis entstehen kann, hat die Wildnisstiftung jetzt Unterstützung bekommen: Die KlimaWildnisBotschafterin Dr. Antje Bischoff. Sie erklärt, hört zu, vernetzt und ist draußen unterwegs – überall dort, wo Gespräche über Wildnis entstehen. Im Interview erzählt sie, was hinter diesem besonderen Job steckt und warum Wildnis direkt vor unserer Haustür für Mensch, Natur und Klima so wertvoll ist.

Die Wildnisstiftung hat jetzt eine eierlegende Wollmilchsau in ihren Gebieten – unsere KlimaWildnisBotschafterin. Noch nie von diesem Job gehört? Was machst du eigentlich?

“Ja, der Job ist tatsächlich ein bisschen von allem. Ich bin Ansprechpartnerin für Wildnis und natürlichen Klimaschutz, erkläre, höre zu und bringe Menschen miteinander ins Gespräch. Manchmal geht es um ganz konkrete Flächen, da berate ich zum Beispiel, wo Geld für Wildnisentwicklung herkommen kann. Denn dafür gibt es staatliche Fördertöpfe. Und manchmal geht es einfach um die Frage: Was bedeutet Wildnis eigentlich für uns hier vor Ort? Kurz gesagt: Ich helfe dabei, Wildnis verständlich, greifbar und möglich zu machen. “

Viele denken bei Wildnis an etwas Fernes oder Abstraktes. Was ist eine der größten Überraschungen für Menschen, wenn sie Wildnis einmal wirklich erleben?

“Ein häufiges Aha-Erlebnis ist tatsächlich, wie nah Wildnis ist. Dass sie nicht nur in fernen Ländern zu finden ist, sondern gleich vor der Haustür. Die zweite große Überraschung ist oft, wie lebendig Wildnis ist. Viele erwarten etwas Starres oder Verwildertes – und merken dann draußen: Hier passiert ständig etwas. Es blüht, summt, wächst, verändert sich. Wildnis ist kein Stillstand, sondern Bewegung. Und sie fühlt sich erstaunlich vertraut an, wenn man sich darauf einlässt.“

Wildnis entsteht ja nicht von allein im luftleeren Raum. Was braucht es, damit aus einer Fläche wirklich Wildnis werden kann?

“Vor allem Zeit, Raum – und Menschen, die diesen Raum ermöglichen. Wildnis heißt, der Natur wieder mehr eigene Entscheidungen zu überlassen. Dafür braucht es gute Rahmenbedingungen, Offenheit und manchmal auch ein Umdenken. Und genau dabei begleite ich: beim Verstehen, Abwägen und Entwickeln von Ideen.”

Wo trifft man dich eigentlich: im Büro, draußen im Wald, mitten im Dorf – oder sogar am Küchentisch?

“Im Grunde überall dort, wo Gespräche entstehen: mal im Büro, mal draußen im Wald, mal bei einer Veranstaltung im Dorf – und wenn gewünscht, komme ich auch zu den Menschen nach Hause. Mir ist wichtig, dass der Austausch in einer Atmosphäre stattfindet, in der man offen fragen und gemeinsam nachdenken kann. Wildnis ist ein Thema, das viele Menschen in der Region direkt betrifft – deshalb darf man auch genau dort darüber sprechen.”

Du sprichst mit ganz unterschiedlichen Menschen – von Schulklassen bis zu Ortsvorsteher*innen. Was ist dir in diesen Gesprächen besonders wichtig?

“Zuhören. Jede und jeder bringt eigene Erfahrungen, Sorgen und Erwartungen mit. Mir geht es nicht darum, jemanden zu überzeugen, sondern gemeinsam zu schauen: Was bedeutet Wildnis hier konkret? Welche Fragen gibt es, welche Chancen? Wenn Menschen sich ernst genommen fühlen, entsteht Vertrauen – und darauf lässt sich gut aufbauen.”

Und zum Schluss: Was würdest du Menschen sagen, die sich noch nicht sicher sind, ob Wildnis in ihrer Region wirklich eine gute Idee ist?

“Unsicherheit ist völlig in Ordnung. Wildnis wirft Fragen auf – und genau darüber sollten wir sprechen. Mein Wunsch ist, dass Menschen neugierig bleiben und sich ein eigenes Bild machen. Wildnis kann viel geben: für Natur, Klima und auch für die Region. Für das eigene Wohlbefinden. Am besten finden wir gemeinsam heraus, wie sie hier gut wachsen kann.”